Fräsen von Kunststoff

Materialeigenschaften

Kunststoffe haben bei der Spanabnahmen ein eher zähes Verhalten bei relativ geringer Härte. Bei zu hohen örtlichen Temperaturen neigen sie zum Anschmelzen (Thermomere) oder zur Zersetzung (Duromere). Die beim Schnitt entstehenden Wärme muss also möglichst minimiert werden. Wichtigste Voraussetzung für kühle Schnitt sind scharfe Werkzeugschneiden. Die Elastizität des Kunststoffes übt eine gewisse Klemmwirkung auf den Fräser aus, welche in zusätzliche Reibungswärme umgesetzt wird. Die beim Schnitt entstehenden Späne führen fast keine Wärme ab.

Schneidenwerkstoff:

Kunststoffe sind im Gegensatz zu Metallen schlechte Wärmeleiter und nehmen die beim Fräsen entstehende Wärme so gut wie nicht auf. Die Fräserschneide wird deshalb thermisch hochbelastet. Bei glasfaserverstärkten Kunststoffen wirken die Glasfasern in hohem Maße abrasiv und abstumpfend. Aus den vorgenannten Gründen sollten, wenn immer möglich, Fräser mit Hartmetallschneiden verwendet werden.

Schneidengeometrie:

In der Regel wird man für die Kunststoffverarbeitung Fräser mit derselben Schneidengeometrie wie für Holz verwenden. Bei ausschließlichem Einsatz in bestimmten Kunststoffen sollten Fräser mit der vom Kunststoffhersteller empfohlenen Schneidengeometrie verwendet werden.

Schnittgeschwindigkeit:

Die Schnittgeschwindigkeit ist gegenüber der Anwendung in Holz unter Umständen zu reduzieren. Da sich die einzelnen Kunststofftypen unterschiedlich verhalten, ist die günstige Drehzahl entsprechend dem Fräserdurchmesser und dem Material durch Versuch zu ermitteln. Hierbei ist besonders das Anschmelzen der Späne bei bestimmten Thermomeren (z.B. Arcylglas) zu beachten. Bei Sonderwerkstoffen sollte den Empfehlungen des Kunststoffherstellers gefolgt werden.

Vorschub

Ähnlich wie die Schnittgeschwindigkeit ist auch der Vorschub unter Umständen durch Versuch zu ermitteln. Zügiger Vorschub, möglichst ohne Unterbrechung, ist wichtig, m örtliche Überhitzung zu vermeiden.

Kühlung:

Die Kühlung beim Fräsen von Kunststoffen ist kritisch, da die üblichen Kühlmittel mit dem Kunststoff negativ reagieren können. Man wird daher ohne Kühlung arbeiten müssen. Der beim Absaugen entstehende Luftstrom wirkt sich günstig aus. Absaugung sollte also wenn immer möglich erfolgen.

Spanabfuhr:

Die Spanabfuhr muss ungehindert möglich sein, am besten durch Absaugung unterstützt. Im Fräsbereich verbleibende Späne können sich um die Schneiden legen oder die Frässpur verbleiben, was zu Verstopfung bzw. zum Anschmelzen führen kann. 

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Fräsen von Metall

Fräsen von Holz

 

erstellt am: 27.04.2006

geändert am: 25.08.2006

Quelle: Taschenbuch der Industrie und Handwerk von der Firma Bosch